Tag 15 – Aram Bartholl – Deaddrop

Aram Bartholl ist ein deutscher Medienkünstler aus Bremen, lebt und arbeitet seit 1995 allerdings in Berlin. Er ist Mitglied der Künstlergruppe F.A.T. Lab (= Free Art and Technology Lab) aus New York. Seine Arbeiten beschäftigen sich stark mit Alltag und Cyberspace, was schwappt aus dem Cyberspace  zurück auf den Alltag und wie beeinflusst es unser Handeln? Bartholl  hält regelmäßig Vorträge, gibt Workshops und ist in vielen Ausstellungen rund um den Globus vertreten. Mehr Vita und Rund-um-Information -> hier.

Aram-Bartholl

Seine Werke bestehen immer aus zwei Komponenten – real + digital. Meist nimmt er dabei einen alltäglichen Aspekt der digitalen Welt, welcher dann in die analoge Welt überführt wird. Dazu kommt noch etwas Humor, Kritik und eine Prise Salz. Das Ganze wird dann hübsch auf der Straße angerichtet und wartet auf den Konsum.

Da seine Projekte sehr sehr interessant sind, werde ich euch ein paar vorstellen. Den Anfang  macht heute der Deaddrop.

Kurzer historischer Abriss: Deaddrop (dt. toter Briefkasten) ist ursprünglich ein Versteck zum Übermitteln geheimer Nachrichten. Gern benutzt werden Astlöcher, große Steine und andere Orte wo kein normaler Mensch nach Briefen suchen würde. Mehr -> deaddrop @ wiki

Bei den Deaddrops handelt es sich sozusagen um ein Upgrade der toten Briefkästen. Deaddrops sind eingemauerte USB-Sticks fürs offline Filesharing, allerdings wird mit ihnen sehr öffentlich und manchmal auch destruktiv umgegangen, d.h. prinzipiell kann jeder durchs Internet herausfinden wo sie sich befinden und oft werden sie mutwillig zerstört. Wie funktioniert das Ganze? Man nehme einen handelsüblichen USB-Stick, etwas Füllmaterial wie Mörtel oder Gips (zur Not tut es auch ein großer Kaugummi) und sucht sich irgendwo im urbanen Raum einen Mauerriss, eine Lücke hinterm Kaugummiautomat (da bekommt man dann direkt das Füllmaterial her…) oder irgendeine andere Stelle und „pflanzt“ dort den USB-Stick hin.

Die ersten fünf Deaddrops wurden 2010 in New York City installiert. Hier das Video inklusive Outtakes.

Es gibt auch ein Deaddrop Manifest, welches unter anderem besagt, dass Deaddrops jedem  zugänglich sein sollen, sprich im öffentlichen Raum. Oft steht auch noch dabei, wer den Deaddrop installiert hat und warum. Das ganze Manifest sollte als Datei am besten auf jedem Deaddrop drauf sein. Manifest und weitere Informationen, wie eine Weltkarte, auf welcher man alle bis jetzt installierten und vermerkten Deaddrops findet, gibt es auch auf der offiziellen Seite deaddrops.com.

Mittlerweile gibt es viele Nachahmer, bzw. Mitwirker. DASDING hat Anfang des Jahres auch schon drüber berichtet, ebenso wie das Tagesschau Nachtmagazin.

DD-layar-540x880Klingt alles unfassbar spannend? Aber wie auf einem viel zu großen, viel zu überfüllten Platz einen Deaddrop finden? Kein Problem! dafür gibts für jedes Smartphone via Layar den Dead Drop Layer! und hier der Pressebericht dazu. Alternativ gibts im Android Market auch die DeaddropDroid App. Finde ich gut, hab ich mir direkt gezogen und wie immer in meiner Gegend nichts gefunden…freundlicherweise wurde mir wenigstens mitgeteilt, dass sich der nächste ca. 12km links von meinem Bildschirm befindet. Immerhin ein Fortschritt…

Im Mai diesen Jahres hat das Institut für Kunst & Kunsttheorie der Uni Köln eine Schitzeljagd mit Deaddrops für 80 Schülerzeitungsredakteure aus ganz Europa veranstaltet.

Die ganze Aktion gibts als kleine Videodokumentation mit flippiger Musik:

5750547702_d25da7ef55_bMan sollte von Deaddrop zu Deaddrop finden und dort angekommen jeweils verschiedene Aufgaben bewältigen. Aus zuverlässiger Quelle weiß ich, dass ein Deaddrop ausversehen auf dem Kopf installiert wurde und man daher auch Laptop und sich selbst ein bisschen verbiegen musste, um an die Information darauf zu kommen…ich bin mir sicher, dass dieser unglückliche Zufall nur zur Erheiterung aller beigetragen hat! : D

Sehr feine Sache. Mehr Informationen gibt es hier und mehr Bilder auf flickr.