Tag 16 – Aram Bartholl: Are you human?

Nach langer Abstinenz vom Bloggen gibt es endlich mehr von Bartholl. Warum wieso weshalb? 1. Bartholl ist toll, 2. ich bin umgezogen und jeder der schon mal umgezogen ist, weiß, dass es selbst im Idealfall ein paar Tage länger dauert alles wieder zu finden als eingeplant. Ganz zu schweigen von den schweren Kisten und Möbeln. Dazu kommt noch, dass ich jetzt erstmal an einem Ersatz-PC sitze. Aber ich will nicht meckern, ist um einiges schneller als meine alte Kiste… ; D

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Und los gehts direkt mit dem Thema: Wir alle sind davon überzeugt, dass wir Menschen sind, manchmal sind wir uns bei anderen nicht so sicher, wenns aber um die eigene Person geht, gibt es keinen Zweifel. Nun gibt es schon seit einigen Jahren eine skurrile Sicherheitsabfrage im WWW. Es nennt sich CAPTCHA (Completely Automated Public Turing test to tell Computers and Humans Apart) und besteht aus Textfetzen…oder Wortbrocken..oder..Buchstabensalat, krumm  und schief und überall drüber und dazwischen sind Streifen, Kringel und andere Sachen, welche einem das Lesen schwer machen sollen. Manchmal ist der Buchstabensalat gut lesbar, manchmal auch nicht. Sobald man alles entziffert hat, darf man sich z.B. endlich bei einem e-Mailanbieter anmelden oder etwas herunterladen. Der Sinn dahinter ist verständlich, es soll verhindert werden, dass Computerprogramme z.B. selbstständig Foren bevölkern und richtige Menschen mit Werbung zuspammen. Leider ist der gute Vorsatz für menschliche Benutzer oft ziemlich nervig.

4045982347_91841d4cda_oBartholl hat in seinem Projekt „Are you human?“ (2009) CAPTCHAs aus dem www zweckentfremdet und sie im urbanen Raum plaziert. Das Spannende daran ist deutlich am Bild zu erkennen. Für fast jeden Internetnutzer sind diese Wand- verschönerungen zweideutig, es ist mehr als ein Graffiti, es ist ein Spiel mit digitalen Formen und Systemen innerhalb eines realen Raumes, welches für nicht-Nichtinternetnutzer kaum auffällt oder besonders wirkt. Für Bartholl selbst ist es auch mehr als das, denn obwohl CAPTCHAs von Menschen erfunden wurden, entscheidet letztlich der Computer darüber, ob wir Mensch oder Maschine sind. Mittlerweile gibt es auch genug Programme, welche diese CAPTCHAs lesen und teils vielleicht sogar besser lesen können, als ein Mensch. Erinnert mich etwas an den Einbürgerungstest, welcher wahrscheinlich für viele Bürger die Ausbürgerung bedeuten würde…

4045982561_75773e0345_bJedenfalls hat das CAPTCHA sowohl eine ästhetische, als auch eine inhaltliche Ähnlichkeit zum traditionellen Graffiti.. Graffiti und CAPTCHA führen beide zu Informationen die nur von Eingeweihten gelesen und verstanden werden können. Hierbei kann es sich um die Authentifizierung als Mensch oder um ein komplexes System von territorialer Gruppenzugehörigkeit handeln.

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Hier ein kleines Interview mit Bartholl vom GDFB ( Graphic Design Festival Breda)

Weitere Kurzinfos gibt es auf der offiziellen Projektseite. Bilder wie immer bei flickr oder in Bartholls Blog unter dem Tag areyouhuman.

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Tag 15 – Aram Bartholl – Deaddrop

Aram Bartholl ist ein deutscher Medienkünstler aus Bremen, lebt und arbeitet seit 1995 allerdings in Berlin. Er ist Mitglied der Künstlergruppe F.A.T. Lab (= Free Art and Technology Lab) aus New York. Seine Arbeiten beschäftigen sich stark mit Alltag und Cyberspace, was schwappt aus dem Cyberspace  zurück auf den Alltag und wie beeinflusst es unser Handeln? Bartholl  hält regelmäßig Vorträge, gibt Workshops und ist in vielen Ausstellungen rund um den Globus vertreten. Mehr Vita und Rund-um-Information -> hier.

Aram-Bartholl

Seine Werke bestehen immer aus zwei Komponenten – real + digital. Meist nimmt er dabei einen alltäglichen Aspekt der digitalen Welt, welcher dann in die analoge Welt überführt wird. Dazu kommt noch etwas Humor, Kritik und eine Prise Salz. Das Ganze wird dann hübsch auf der Straße angerichtet und wartet auf den Konsum.

Da seine Projekte sehr sehr interessant sind, werde ich euch ein paar vorstellen. Den Anfang  macht heute der Deaddrop.

Kurzer historischer Abriss: Deaddrop (dt. toter Briefkasten) ist ursprünglich ein Versteck zum Übermitteln geheimer Nachrichten. Gern benutzt werden Astlöcher, große Steine und andere Orte wo kein normaler Mensch nach Briefen suchen würde. Mehr -> deaddrop @ wiki

Bei den Deaddrops handelt es sich sozusagen um ein Upgrade der toten Briefkästen. Deaddrops sind eingemauerte USB-Sticks fürs offline Filesharing, allerdings wird mit ihnen sehr öffentlich und manchmal auch destruktiv umgegangen, d.h. prinzipiell kann jeder durchs Internet herausfinden wo sie sich befinden und oft werden sie mutwillig zerstört. Wie funktioniert das Ganze? Man nehme einen handelsüblichen USB-Stick, etwas Füllmaterial wie Mörtel oder Gips (zur Not tut es auch ein großer Kaugummi) und sucht sich irgendwo im urbanen Raum einen Mauerriss, eine Lücke hinterm Kaugummiautomat (da bekommt man dann direkt das Füllmaterial her…) oder irgendeine andere Stelle und „pflanzt“ dort den USB-Stick hin.

Die ersten fünf Deaddrops wurden 2010 in New York City installiert. Hier das Video inklusive Outtakes.

Es gibt auch ein Deaddrop Manifest, welches unter anderem besagt, dass Deaddrops jedem  zugänglich sein sollen, sprich im öffentlichen Raum. Oft steht auch noch dabei, wer den Deaddrop installiert hat und warum. Das ganze Manifest sollte als Datei am besten auf jedem Deaddrop drauf sein. Manifest und weitere Informationen, wie eine Weltkarte, auf welcher man alle bis jetzt installierten und vermerkten Deaddrops findet, gibt es auch auf der offiziellen Seite deaddrops.com.

Mittlerweile gibt es viele Nachahmer, bzw. Mitwirker. DASDING hat Anfang des Jahres auch schon drüber berichtet, ebenso wie das Tagesschau Nachtmagazin.

DD-layar-540x880Klingt alles unfassbar spannend? Aber wie auf einem viel zu großen, viel zu überfüllten Platz einen Deaddrop finden? Kein Problem! dafür gibts für jedes Smartphone via Layar den Dead Drop Layer! und hier der Pressebericht dazu. Alternativ gibts im Android Market auch die DeaddropDroid App. Finde ich gut, hab ich mir direkt gezogen und wie immer in meiner Gegend nichts gefunden…freundlicherweise wurde mir wenigstens mitgeteilt, dass sich der nächste ca. 12km links von meinem Bildschirm befindet. Immerhin ein Fortschritt…

Im Mai diesen Jahres hat das Institut für Kunst & Kunsttheorie der Uni Köln eine Schitzeljagd mit Deaddrops für 80 Schülerzeitungsredakteure aus ganz Europa veranstaltet.

Die ganze Aktion gibts als kleine Videodokumentation mit flippiger Musik:

5750547702_d25da7ef55_bMan sollte von Deaddrop zu Deaddrop finden und dort angekommen jeweils verschiedene Aufgaben bewältigen. Aus zuverlässiger Quelle weiß ich, dass ein Deaddrop ausversehen auf dem Kopf installiert wurde und man daher auch Laptop und sich selbst ein bisschen verbiegen musste, um an die Information darauf zu kommen…ich bin mir sicher, dass dieser unglückliche Zufall nur zur Erheiterung aller beigetragen hat! : D

Sehr feine Sache. Mehr Informationen gibt es hier und mehr Bilder auf flickr.