Tag 12 – culture jamming

zombiesapplelogo22starbucks-copy1…ich schlenderte heute etwas durch die Gegend und war gerade dabei einen leckeren Kaffee meiner Lieblings-kaffeekette zu genießen, überprüfte noch kurz meine eMails mit meinem Smartphone einer ebenfalls beliebten Firma, als ich plötzlich hochschaute und inmitten der Apokalypse stand!

Willkommen in der wunderbaren Welt des Culture Jamming. Culture Jamming ist die künstlerisch-kritische Modifizierung von Werbung…oder anderen Sachen. Im Falle von Werbung wird es auch Adbusting genannt. Beides arbeitet oft mit den Stilmitteln des jeweiligen „Produktes“ und greift dabei teils die Lügen und Marktstrategien der Firmen auf. Manchmal ist es auch einfach nur unfassbar lustig, ohne dabei die Welt verändern zu wollen!
Vorläufer sind Übermalungen von Personen, wie Marchel Duchamps Mona Lisa mit Bart (L.H.O.O.Q.); heute noch ein gern benutztes Motiv auf vielen Wahl- und Werbeplakaten.

Hier ein paar Verschönerungen des urbanen Raumes:Graffiti-Street-SignFunny-Signs

Culture Jamming funktioniert jedoch auch sehr gut auf den digitalen Straßen des WWW. In diesem Video ist alles sehr ausführlich mit diversen Beispielen erklärt, für alle die sich die zwar sehenswerten, aber auch langen 32 Minuten sparen wollen, gibt es nachfolgend eine gekürzte Textvariante meinerseits.

GWEI – GOOGLE WILL EAT ITSELF: Gwei ist ein Kunstprojekt von Hans Bernhard (Teil von ubermorgen.com). Das Ziel der Seite besteht darin Google sich selbst kaufen zu lassen, um es anschließend mit allen zu teilen. Das Projekt funktioniert wie folgt: beim Besuch der Seite gwei.org werden automatisch Google-Ads (Ad = Advertising = Werbung) angeklickt. wofür GWEI  kleine Geldbeträge erhält. Mit diesen Geldbeträgen kauft GWEI Google-Aktien, um irgendwann mal Google zu besitzen. Zur Zeit dauert es noch ca. 202.345.117 Jahre, bis GWEI Google besitzt. Sobald GWEI Google besitzt, werden die Aktien an alle verteilt. Ob alle wirklich alle sind oder ob damit nur „sehr viele“ gemeint sind, ist ein bisschen unklar…obwohl alle ziemlich eindeutig ist, klingt es doch etwas hochgegriffen..das wäre nur möglich, wenn Google zu einem Menschenrecht wird.. Laut dem oben erwähnten Video, hat Google diese tolle Idee leider mitbekommen, weil die Seite noch vor der offiziellen Ankündigung auf einem Blog gelandet ist und sich von dort wie ein Lauffeuer verbreitet hat, was dazu führte, dass unfassbar viele Ads in kürzester Zeit angeklickt wurden und Google das etwas sonderbar fand und nachforschte…

Ebenfalls von Hans Eberhard ist das Projekt Vote Auction. Das Projekt, bzw. die Internetseite vote-auction.net, bot US Amerikanern, zur Zeit des US Wahlkampfes 2000 zwischen Al Gore und G.W. Bush, die Möglichkeit ihre Stimme zu verkaufen. Problem bei der Sache: Amerikanern ist es strengstens verboten so etwas zu machen, trotzdem haben einige ihre Stimme angeboten und wäre die Auktion real gewesen, hätte das nicht nur den Wahlkampf völlig verdrehen können. Neben den besagten Stimmanbietern, gab es rund um die Welt Reaktionen auf diese Seite. CNN hatte Vote Auction kurz vor der Wahl zum Thema bei „burden of proof“ gemacht. 

IslBGUnd nun als letztes Beispiel – Nikeground. Ein wunderbares Projekt von Eva und Franco Mattes. Die fiktive Nikekampagne warb mit dem Slogan „You want to wear it, why shouldn’t cities wear it too?“ und hatte zum Ziel den Karlsplatz in Wien in „nikeplatz“ umzubenennen (und noch viele weitere Plätze und Straßen in anderen Städten). Hierzu wurde, neben der Internetseite nikeground.com, eine Infobox am Karlsplatz aufgebaut, bei der sich interessierte Besucher weitere Informationen zur Kampagne holen konnten.

Neben der Umbenennung des Karlsplatz in nikeplatz, sollte auch das „Swoosh„-Symbol als Monument von 36m Länge und 18m Höhe auf den Platz und zusätzlich wurde auch ein neuer Schuh, der „NIKE Ground Turbulence III„, angekündigt.

NikeMonument-72NikeShoes-72Sowohl Nike als auch die Stadt Wien haben sich ziemlich schnell von dieser Kampagne distanziert. Nike ist wegen Urheberrechtsverletzungen sogar gerichtlich vorgegangen, die Klage wurde jedoch fallen gelassen, da die Kampagne hervorragende Propaganda war.